Palas

Wohnen auf der Burg

Der Palas war das Hauptgebäude mittelalterlicher Burgen. Der Name leitet sich vom lateinischen Palatium für Herrschaftssitz ab und geht auf den Palatin, einen der sieben Hügel Roms und lange Zeit Wohnort der reichen Bürger und der römischen Kaiser, zurück. Ursprünglich war es ein einräumiges, großes und repräsentatives Gebäude innerhalb einer Burg, in dem die damaligen Könige und Kaiser Hof hielten.

Ein wesentliches Merkmal des Frühmittelalters war das Reisekönigtum, also das Fehlen eines festen Regierungssitzes. Der König zog mit seinem Gefolge von Burg zu Burg, in denen er manchmal nur einige Tage verbrachte. In diesen Burgen, Pfalzen genannt, hielt er Hof und sprach Recht. Dafür brauchte er einen angemessen großen und repräsentativen Raum (aula regis).

Alles in einem: Der Palas als Wohngebäude

Im Hochmittelalter wandelte sich der Palas zum zentralen Wohngebäude für die Bewohner der Burg. In den immer kompakter gehaltenen Burganlagen vereinte er die bis dahin nicht selten getrennten Gebäude für Küche, Wohn- und Arbeitsraum. Der große Hauptraum, die Hofstube, diente nun nicht mehr nur repräsentativen Zwecken. Vielmehr war er zentraler Wohn- und Gesellschaftsraum, wurde als Speisezimmer und für alle anderen Verrichtungen des Tages genutzt.

Kammer und Stube: Heizen auf der Burg

Die romantisierte Vorstellung, dass Burgen im Winter meist ungeheizt waren und sich das gesellschaftliche Leben in den sogenannten Kemenaten – kleinen, mit einem Kamin beheizten Räumen – abspielte, ist wissenschaftlich weitestgehend widerlegt. Vielmehr gab es auf vielen Burgen eine sehr durchdachte Raumarchitektur und effiziente Heizkonzepte.

Grundsätzlich lassen sich für hoch- und frühe spätmittelalterliche Burgen drei Raumtypen klassifizieren. Die Hofstube war dabei der zentrale, repräsentative Raum. Die restlichen Zimmer teilten sich in beheizte Stuben und kaminlose Kammern. Die Kammern lagen meist direkt neben den Stuben, sodass sie passiv geheizt wurden.

Der Ur-Palas von Burg Freienfels

Mauerreste im nordöstlichen Bereich der Burg lassen vermuten, dass es an dieser Stelle einen deutlich kleineren Vorläufer des heutigen Palas gegeben hat. Grundfläche und Umfang lassen auf einen kleinen, zwei- bis dreigeschossigen Bau schließen, der womöglich dem Burgverwalter als Wohn- und Arbeitsstätte diente. An diesen Ur-Palas schließt sich der im eingelassene Keller an. Neuste Berechnungen des Mauerverlaufs des Kellers sowie des darüber liegenden Palas zeigen, dass diese nicht parallel verlaufen, sondern die Palaswand leicht nach außen versetzt errichtet wurde, um zwischen der dritten und – heute im Palas verbauten – vierten Schießkammer zu enden. Das legt den Schluss nahe, dass der Keller mit seiner in gerader Linie verlaufenden Mauer bereits vor dem Bau des Palas bestand.

Der heutige Palas der Burg Freienfels

Der dreigeschossige Wohnbau der Burg Freienfels liegt an der Nordseite der Burg. Er hat eine Länge von fast 25 Metern und eine Breite zwischen acht und zehn Metern. Der heute ausgebaute und überdachte mittlere Teil des untersten Stockwerks ist zu einem großen Saal umgebaut. Ursprünglich unterschiedliche Bodenniveaus lassen darauf schließen, dass sich auf Höhe des Eingangs zum Hof eine Abtrennung befunden hat.

Der Zugang zu diesem Teil des Palas vom Burghof aus erfolgte über eine zweiflügelige Eingangstür mit einer Treppe davor. Mit dem Ausbau des Palas wurden die ursprünglich schmalen Treppenstufen durch weite, den gesamten Türbereich umfassende Sandsteintritte ersetzt.

Über eine weitere Treppe im Südosten ist der Palas mit dem sogenannten Turmraum verbunden. Unterhalb dieser Treppe liegt der Eingang in ein kleines Kellergewölbe. Dieser als „Butterkeller“ bezeichnete Keller wurde nachträglich, vermutlich mit der Verlagerung der Kochstelle im 17. Jahrhundert, eingebaut und diente der Einlagerung verderblicher Waren. Der nach dem Betreten durch den mittleren Eingang rechts liegende Raum war – aufgrund der Art seines Bodenbelags aus verdichteten Flusskieselsteinen – vermutlich nur ein Nutzraum, in dem der Kachelofen stand. Dieser beheizte wohl den angrenzenden Turmraum, dem hoher Komfort und ganztägige Nutzung zugeschrieben wird, sowie den darüber liegenden Schlafraum.

Kaminofen

An der östlichen Seite des heutigen Hauptsaals steht die Rekonstruktion des Kaminofens. Von diesem wurden bei Beginn der Ausbauarbeiten des Palas noch ausreichend Reste gefunden, um eine Rekonstruktion anfertigen zu können. So dürfte das heutige Aussehen des Kaminofens dem ursprünglichen Erscheinungsbild sehr nahekommen. Die im Schutt des ursprünglich eingestürzten Kamins gefundenen Kacheln wurden auf das 17. Jahrhundert datiert. Somit dürfte der Kaminofen in der dritten Bauphase der Burg einen Umbau erlebt haben. Bei Ausgrabungen im Hof gefundene Kachelreste, die auf die Zeit des 15. Jahrhunderts datiert wurden, lassen aber auf Einbau und Nutzung des Kaminofens schon in der zweiten Phase um 1466 schließen.

Küche und Wirtschaftsräume

An der nordwestlichen Giebelseite sind die Überreste eines Kaminschachtes erhalten. Lage und Größe legen nahe, dass es sich um eine dauerhaft betriebene Feuerstelle handelt. Somit lässt sich wohl die ehemalige Küche der Burg dort verorten. Anzahl und Anordnung der kleinen, nördlich der Feuerstelle gelegenen Fenster, lassen eine hölzerne, nicht mit den Außenmauern verbundene, Treppenkonstruktion nach oben in das Obergeschoss vermuten.

Die Küche war wohl bis ins 17. Jahrhundert im Betrieb und diente nicht nur der Zubereitung von Speisen, sondern heizte auch die über der Küche gelegene Hofstube. Es wird vermutet, dass während der letzten Nutzungsphase der Burg ab Mitte des 17. Jahrhunderts die Küche in die Mitte des Palas verlegt wurde. Dort fand sich bei der ersten wissenschaftlichen Begutachtung der Burg eine Feuerstelle mit Kohleresten sowie ein Ausguss, in dem kleine Knochenfragmente gefunden wurden. Die Errichtung der Feuerstelle fällt zeitlich mit dem Einbau des Butterkellers zusammen. Die Umbaumaßnahmen tragen wohl dem Umstand Rechnung, dass sich die Anzahl der Burgbewohner im Vergleich zu den Jahrhunderten davor reduziert hat und von nun an eine kleinere Kochstelle und ein kleinerer Keller ausreichend waren.

Holzsäule

Im Zentrum des Palas stehen zwei große Holzsäulen, welche die Deckenkonstruktion tragen. Der steinerne Sockel der vorderen Säule stammt noch aus der Zeit der Errichtung des Palas und trug wohl an der gleichen Stelle ebenfalls eine hölzerne Säule. Im ursprünglichen Palas diente diese wohl nicht nur zur Abstützung der Deckenkonstruktion, sondern war durchgehend und diente zur Abstützung der gesamten Dachkonstruktion.

Das Schlafgemach

Im Obergeschoss über dem Turmraum lagen wohl noch bis zur letzten Nutzung der Burg der Schlafraum. Beim ursprünglichen Bau des Palas wurde das zum Tal hin gelegene nördliche Fenster in einen Kamin umgewandelt. Die Feuerstelle wurde wohl immer nur kurzfristig zum Aufheizen des Raumes verwendet, der ansonsten auch mit der Abwärme des Kaminofens im Erdgeschoss beheizt wurde. Zum Hof hin verfügte das Schlafgemach über ein großes Fenster, das über dem Eingang zum Turmraum lag.

Die Hofstube

An der nordöstlichen Giebelwand sind, direkt neben dem Kaminschlot der ursprünglichen Burgküche, die Überreste eines Aborterkers erhalten. Zur Zeit der Errichtung des Palas war es üblich, den Aborterker direkt an die Hofstube, die zum Essen und für repräsentative Anlässe genutzt wurde, anzubinden.

Zum Innenhof hin lag vermutlich ein großes Fenster, das den Saal bis in die späten Abendstunden hinein mit Licht versorgte. Leider lässt die fehlende Außenwand heute keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Größe und Lage des Fensters zu. Die relativ saubere Abbruchkante macht auch eine nachträgliche, vermutlich im 17. Jahrhundert erfolgte, Bearbeitung der zum Hof hin gelegenen Wand möglich. Eventuell diente diese der Vergrößerung der Fensterflächen.

Das Dachgeschoss

Vom obersten Stockwerk sind heute nur noch die beiden Giebelwände erhalten. An den dort vorhandenen Fenstern ist zu erkennen, dass es wohl zu Wohnzwecken genutzte Räume im Giebel des Daches gab. Vermutlich waren diese Räume den Bediensteten vorbehalten.